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Sardinien climb & swim

Wie sagte einst der selige Meister des Sports: "Baden ist integraler Bestandteil des Kletterns in Sardinien" - oder so ähnlich...

Kaffee gibt's natürlich auch...

Dazu noch viel rauer Fels und vor allem Ambiente.

Das wird nicht lange so bleiben. Also nichts wie hin, bevor Sardinien das gleiche Schicksal wie viele andere Gebiete erleiden wird. So viel Gutes bleibt in "Instazeiten" eben nicht lange verborgen. 

 

Unseren Herbst-Roadtrip begannen wir allerdings in Korsika.

10 Tage - 10 Fünfsternerouten, so der Plan. Chacka! Tafoniklettern at its best. Oder gibt es vielleicht sogar noch unglaublichere Strukturen in Sardinien? Schaut euch beides an und urteilt selbst! 

 

Dank des Klimawandels konnten wir 23-25 Grad warmes Mittelmeerwasser genießen. Im Gegenzug dazu beschränkte sich die Tourenauswahl auf alles was auch nur irgendwie im Schatten lag. Klettern bei 28-32 Grad - nicht einfach für bleichgesichtige fränkische Höhlenmenschen, die sich nur allzu schnell zu einer ordentlichen Rothaut wandeln. 

Der Fokus lag also auf Fingergymnastik am Vormittag und danach Baden in den türkisblauen Buchten mit ihrem glasklaren Wasser.

Nichts für Spähtaufsteher aber die Nachmittags-Siesta am Strand gleicht das Schlafdefizit schon wieder aus. Und die Pizzeria schürt ja sowieso erst gegen 19 Uhr ihren Ofen an. 

Inzwischen gibt es zwar reichlich neue Sportklettergebiete doch tief in unseren Herzen bleiben wir ja doch irgendwie "Meerseillängenfans". Hier gibt es zwei Highlights: Die berühmte "Goloritze-Nadel" über dem Meer, wo alle einmal hinauf möchten. Und die vor 30 Jahren schon unglaublich gespeckt war. Sowie die neue "Marinaio Foresta" (5c/6a) in der Bucht von Pedra Longa, die sicher bald ein ähnliches Schicksal erleiden wird. Doch bis dahin bietet sie noch eine Felsqualität, die ihresgleichen lange sucht. In Verbindung mit der perfekten Absicherung und dem ultrakurzen Zustieg wird dies allerdings nicht lange im Verborgenen bleiben. 

Erwähnenswert und kleiner Tipp in diesem Zusammenhang: Für das erfrischende Bad in der Cala Goloritze wird inzwischen eine saftige Eintrittsgebühr von 6 EUR/Person erhoben. Und für stolze 10 EUR/Pers. kann man am Parkplatz auch übernachten. Wer ohne Baden nur staufrei dort klettern möchte, schleicht sich vor 7 Uhr am Kassenhäuschen vorbei. In der Nachsaison von Nov.-März ist dies vermutlich sowieso geschlossen. Kontrolliert wird die Eintrittskarte direkt am Strand. Im übrigen sollte man entgegen den allgemeinen Infos auf mountain4nothing für den Zustieg eine gute Stunde einplanen und für die schweißtreibenden 500 Höhenmeter Rückweg schon eher 1.30 Std. Der frühere "Normalweg" auf die Nadel wurde inzwischen von der "Easy Gymnopedie" abgelöst. Die Gymnastik ist dort allerdings nicht ganz so einfach wie in den Veröffentlichungen angegeben. Am Beginn der zweiten Länge erfordert eine kurze, auf Hochglanz polierte Stelle entweder einen Griff in "Trickkiste" oder checkt frei geklettert bei VIII- ein. Mit 5c obl. wird man nicht einmal den ersten Bolt über die gespeckten Einstiegsgriffe erreichen. Sicher keine Veranstaltung mehr, die man unbedingt besuchen müsste! Aber das Ambiente lockt halt nach wie vor...

Nach einem Zwischenstopp zum Sportklettern in Ulassai - hier sollte man ebenfalls schnell sein, denn der Ort ächzt schon bedenklich unter den vielen kletternden Besuchern, die sich wie überall wieder nicht an die bekannten Spielregeln, vor allem beim Übernachten halten - hatten wir an zwei bewölkten Tagen, die Chance auf eine kurze Halbtagsbeschäftigung am "Poltrone" - dem Sessel über Cala Gonone. Hier kletterten wir die "India" (etwas eintönige Platten-/Tropflochkletterei und schon ordentlich benutzt aber durchaus noch lohnend) und zu unserer Überraschung wurde die erste MSL-Tour der Insel, der Sperone Lillith viele Jahre "geschont" und wird erst jetzt nach der Sanierung wieder beklettert. Der Fels ist somit noch erfreulich rau und eine Verlängerung (6a/6a+) gibt es auch. 

 

Die Sau, die zur Zeit am häufigsten durch die Macchia getrieben wird ist in "Buchi Arta" zu finden. Obwohl man dorthin nur mit einer halbstündigen Anfahrt auf einer guten Beton- und Schotterpiste gelangt, steht dieses Gebiet vor allem bei unseren Schweizer Nachbarn auf der Speisekarte ganz oben. Und das Spektakel nimmt seinen vorhersehbaren Lauf. Die Hunde bellen Amok, Stadtkinder erschrecken vor den Wutzen, diese schnappen sich deren Chipstüten und zoffen sich im Gebüsch um die abwechslungsreichen Speisen. Einfach Geil!

Die Kletterei ist schön, setzt jedoch schon ordentlich Speck an und kennt man ein/zwei Routen, kennt man alle. Also wenig abwechslungsreich. Dafür immer gut besucht und Spektakel garantiert. Wer dort im Bus übernachten möchte sollte bedenken, dass ab 13/14 Uhr ständig mit Gegenverkehr auf der schmalen Straße zu rechnen ist.

Das angeblich schönste Klettergebiet der Region "S'Atta Ruja" über dem Ort Dorgali hat seine besten Zeiten wohl schon länger hinter sich gelassen. Ein Besuch lohnt eigentlich nicht mehr so wirklich. Der Fels ist verschlissen, viele Haken sind stark angerostet. Statt zu sanieren, würde ich das Geld lieber in unverbrauchten Fels investieren.

Nachdem wir es doch lieber ruhiger bevorzugen und wir uns vor der Heimreise noch eine Ration Tafoni abholen wollten, zog es uns nochmal zum Tradclimbing ins Landesinnere. Diese Tourenspezies garantiert meist Einsamkeit, so wie wir es lieben. Nicht lange aber dafür sehr intensiv ziehen die Linien am Pilastro Marragone im "freestyle" zum kleinen Gipfel und in einem wilden Ritt durch die Macchia zurück zur Straße. Der Zustieg ist in weniger als 15 Sekunden erledigt, in der Nähe gibt es Quellwasser, ruhige Übernachtungsplätze und eine leckere Holzofenpizza in Padru. Herz was willst du mehr? Klar! Bald wieder nach Sardinien.

Ciao a presto! 

Wer abseits vom Klettern seinen kulturellen Horizont etwas erweitern möchte, kann in Orgosolo einen Rundgang durch die politischen und gesellschaftlichen Niederungen unserer Gesellschaft unternehmen. Dort wurden an vielen Hausfassaden die Geschehnisse der Weltgeschichte "plakatiert". Gute Italienischkenntnisse helfen weiter, doch die Botschaften hinter den fantastischen Wandmalereien sind  für jeden klar ersichtlich. Ein Muss für jeden politisch- und gesellschaftlich interessierten Menschen. 

Über die kulinarischen Genüsse Italiens zu schreiben, hieße Cappuccino nach Rom tragen. Daher nur einige Besonderheiten und Anmerkungen: Die lokale Weinsorte hört auf den Namen Cannonau und wer in Ulassai unterwegs ist kann auf der Umgehungsstraße von Jerzu nach Ulassai in der örtlichen Cantina, für weniger als 3 EUR/Liter einen sehr schmackhaften Tropfen aus dem Fass zapfen. 

Das dünne Pane Carasau, einst für die Hirten gebacken,  ist vielleicht etwas gesünder als Chips und passt hervorragend zum Wein.

Eine günstige und sehr leckere Pizza bekommt man in Osini, ein Nachbarort hinter Ulassai. 

Als frische Pasta für die feine Busküche eignen sich hervorragend die Culurgiones mit Pecorinofüllung.

Buon Appetito!

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